Freitag, 8. Februar 2008

Reisenotizen

Wieder einmal war es für mich an der Zeit eine kleine Reise zu unternehmen.
Am Abend vorher war ich noch mit anderen Dingen beschäftigt und so verschob ich das packen auf den Morgen der Abreise. Keine gute Idee wie sich am Morgen herausstellte. Kurz nach 7 weckte mich ein Ruf meines Vaters: „Ich fahr jetzt los!“ Ich drehe mich im Bett mit einem undefinierbaren Laut zwischen Stöhnen und wütendem Aufschrei wieder um. Dann döse ich wieder ein. Ich erwachs erst, als die Müllabfuhr an meinem Fenster vorbeirauscht. Fluchend schaue ich auf die Uhr: 9:02,blinkt sie. Mit einem Satz bin ich aus dem Bett. Auf dem Weg ins Bad stoße ich versehentlich gegen den Wäschekorb. Egal, bloß schnell weiter. Die Morgentoilette findet hastig statt. Zu hastig wie ich feststelle, als wenige Minuten später erneut ins Bad stürme um meinen Angstschweiß mit Deo zu überdecken. Die Haare sind zerzaust, eine dicke rote Kissenfalte zieht sich durch mein Gesicht.
Schnell schaufle ich mir Wasser ins Gesicht. Doch das lässt meine nur noch ungepflegter Aussehen.
Immerhin ist die Kissenfalte jetzt nicht mehr zu sehen. Das ganze Gesicht ist nun rot.
Zurück in meinem Zimmer versuche ich mich anzuziehen und gleichzeitig meine Tasche zu packen.
Der Versuch scheitert. Ich bin einfach nicht multitaskingfähig. Mit Unterhose, einer linken Socke und einem T-Shit hüpfe ich durch den Raum und suche meine Kopfhörer. Ohne die keine Musik. Ohne Musik keine Reise! Trotz der Schwierigkeiten schaffe ich es unverletzt und angezogen zum Frühstückstisch. Gierig kippe ich eine Tasse Kaffee herunter. Während ich kurz den Hauptteil der Zeitung überfliege merke ich fast spürbar wie sich meine verklebten Augen öffnen. Welch wundersames Getränk!
Mit noch vollem Mund ziehe ich die Schuhe an und gehe gleichzeitig im Kopf nochmal meine Checkliste durch: Alles dabei? Wahrscheinlich nicht! Ist das wichtigste eingesteckt? – Ich glaube schon! Prima, dann los.
Ein weiterer Blick auf meine Uhr zeigt mir, dass ich ein paar Minuten gewonnen habe. Etwas gelassener schlendere ich zum Bus. Annie Lennox begleitet mich mit „Wakling on broken glas“
Der Bus ist wie immer um diese Zeit leer. Nur eine Schnapsleiche, dessen einziges Lebenszeichen ein lautes Schnarchen ist, fährt mit.
Der Umstieg in die Straßenbahn gelingt reibungslos und 15 Minuten später stehe ich im Reisecenter der Bahn und gehe der Lieblingsbeschäftigung der Deutschen nach – Schlangestehen. Geduldig warte ich ab, bis sich der eingerostete 68’er vor mir entschieden hat, ob er nun direkt nach Hamburg fährt und dafür eine Handvoll Euro mehr bezahlt, oder über Uelzen aber dann billiger und mit der Möglichkeit den einzigen Erlebnisbahnhof in Norddeutschland zu besuchen. Das professionell freundliche Lächeln der jungen Schalterbedienung bröckelt erst, als sich der Ex-Hippi im Anzug im allerletzten Augenblick entscheidet erst nach Bremen zu fahren. Mit einem leichten beben in der Stimme sagt sie „27,50 bitte.“ Der Mann zückt sein Portemonnaie und zahlt mit Karte. Einen Moment später verabschiedet er sich. Die Bahnmitarbeiterin lächelt und wünscht ihm eine angenehme Reise.
Als ich zu ihr an den Schalter trete glaube ich so etwas wie gehässige Befriedigung aus ihrem Gesicht lesen zu können.“Ein Niedersachsenticket Single bitte“, ordere ich. „Gerne. 19 Euro bekomme ich dann.“ Während ich in meiner Tasche nach einem Geldschein fische, kann ich aus den Augenwinkeln sehen, wie der Mann von eben in der Bewegung innehält und die Ohren spitzt. Mein Blick kreuzt sich mit der der Schalterkraft. Wir schmunzeln. Doch der eingestaubte Revolutionär verzieht keine Mine und eilt davon. Mit einem herzlichen Lächeln verabschiede ich mich und gehe zum Gleis.
Die Reise kann beginnen!

Keine Kommentare: